logo Schriftzug urban light art k»nstlerische Fotografie von Silke Helmerdig mit Strassenlaternen
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Ich wurde in die Welt als ein Jude geworfen, der sich nicht ganz als ein Jude annehmen kann. Sollte ich mich als Jude identifizieren, würde ich verschiedene Bedingungen meiner Existenz, die dem Judesein widersprechen, verraten. Sollte ich jedoch mein Judesein verneinen, würde ich eines der Elemente meines In-der-Welt-seins verraten. In dieser Weise führt der Versuch, mich zu emanzipieren, zum vollständigen Annehmen meiner selbst. Ich werde nur dann authentisch leben können, sollte mir gelingen, einander widersprechende Bedingungen auf das Niveau einer Synthese zu heben. Gewiß sieht eine solche Synthese für jeden Juden anders aus, weil jeder unter anderen Bedingungen lebt, so daß jeder die Synthese auf seine Art erreichen muß. Und doch gibt es genügend Ähnlichkeiten unter den heutigen Juden, um zu behaupten, daß es Konturen einer über-individuellen Synthese gibt: Konturen eines Weltbürgertums im westlichen Sinn des Wortes.

Textauszug aus: Vilém Flusser "Jude sein".

Fotografie Silke Helmerdig zeigt Selbstprotrait mit einbilichteter Textpassage von Vilém Flusser aus Jude sein

Ohne Titel 4 von 9, 1999 s/w Foto, Barytpapier 13 x 18 cm

- Arbeit im Besitz des Jüdischen Museum Berlin -

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